Kultur auf der Burg
Das Projekt „Demokratien brauchen Held*innen 2026“ schafft im Quartier Burg konkrete Räume, in denen Kinder und Jugendliche ihren Sozialraum künstlerisch, spielerisch und medial erkunden, aneignen und aktiv mitgestalten. Durch Kunstaktionen, Spiele, Medienarbeit und journalistische Formate machen sie ihre Sichtweisen, Interessen und Veränderungswünsche über Ausstellungen, Quartiersaktionen und das Burg‑Magazin öffentlich sichtbar und erfahrbar.
Im Rahmen des Projekts realisierte der Wundersam anders e.V. im Bayreuther Stadtteil „Burg“ im Februar 2026 einen offenen Kunst- und Kulturworkshop und fand innovative Antworten auf die Frage: Wohin, wenn es keinen festen Ort für die Kinder- und Jugendarbeit im Quartier gibt?
1. Das Projekt & Zielsetzung
Inmitten der Wohnblocks schufen wir einen temporären Schutzraum für Kinder und Jugendliche. Ziel war es, durch bildende Kunst (Acrylmalerei auf Leinwand) und theatrale Arbeit (Comic-Entwicklung zu Demokratie-Themen/Elisabeth Selbert) Selbstwirksamkeit zu fördern und den Kindern eine Bühne in der Stadtgesellschaft (geplante Ausstellung im RW21) zu geben.
2. Die zentrale Herausforderung: Infrastruktureller Mangel
Die Umsetzung fand unter extremen Bedingungen statt: Da es im gesamten Quartier keinen festen, zugänglichen Raum für die Kinder- und Jugendarbeit gibt, mussten wir bei 2 °C, Schnee und Matsch ein Zirkuszelt auf der zentralen Wiese errichten.
Logistik: Erhöhter Aufwand durch Aufbau im Schneesturm, tägliche Feuchtigkeitskontrolle und Beheizungsproblematik.
Barrieren: Die Wiese verwandelte sich in eine Schlammfläche, was die Durchführung (Sauberkeit der Malgründe, Sicherheit) massiv erschwerte.
Erkenntnis: Das Zelt war ein „Leuchtturm“ und wichtiger Anlaufpunkt, verdeutlichte aber schmerzhaft die strukturelle Vernachlässigung des Stadtteils. Ein Zelt im Winter ist ein Notbehelf, keine nachhaltige Lösung für Bildungsgerechtigkeit.
3. Wirkung und Erfolg
Trotz der widrigen Umstände war die Resonanz überwältigend:
Hohe Beteiligung: Bis zu 30 Kinder gleichzeitig nutzten das Angebot als einzigen Ferien-Treffpunkt.
Soziale Brücken: Konflikte aus dem Quartier wurden künstlerisch aufgearbeitet (Comics als Kommunikationsmittel); religiöse und kulturelle Unterschiede traten beim gemeinsamen Schaffen in den Hintergrund.
Teilhabe: Die Kinder erfuhren eine enorme Aufwertung ihres Sozialraums. Die Ausstellung der Werke in der Stadtbibliothek und im Landratsamt schuf eine Verbindung zwischen dem isolierten Randbezirk und dem kulturellen Zentrum der Stadt.
Infos zum Gesamtprojekt „Demokratien brauchen Held*innen“ gibt es hier.


Lena Wenz & Marco Marino
wundersam anders e.V.